Auswandern mit 50+ – was wirklich anders ist als mit 30

Auswandern mit 50+ – eine andere Rechnung

Auswandern mit 50+ ist nicht dasselbe wie auswandern mit 30. Das klingt offensichtlich. Ist es auch. Aber die meisten Artikel die ich dazu gelesen habe, behandeln das Thema so als wäre Auswandern einfach Auswandern — egal wie alt man ist, egal was man hinter sich lässt, egal was man nicht mehr vor sich hat.

Ich bin 56. Ich habe in den letzten Jahren in Vietnam gelebt, bin zurückgekommen, und wandere jetzt dauerhaft nach Kambodscha aus. Ich spreche also nicht aus dem Lehnstuhl heraus über dieses Thema.

Was ich sagen kann: Mit 50+ ist vieles einfacher als mit 30. Und einiges ist schwerer. Beides gleichzeitig. Und wer das nicht versteht, ist schlecht vorbereitet.

Vergleich zwischen jungem Backpacker und Mann über 50 mit Koffern und UmzugskartonsWas mit 30 leichter ist — und warum das kein Argument ist

Mit 30 hat man weniger zu verlieren. Das klingt hart, ist aber schlicht die Wahrheit.

Weniger Besitz, weniger Verpflichtungen, weniger gewachsene Strukturen. Wer mit 28 seinen Job kündigt und nach Südostasien geht, lässt einen Mietvertrag und vielleicht ein paar Möbel zurück. Wer das mit 55 macht, löst einen kompletten Haushalt auf, kündigt eine Wohnung in der er jahrzehntelang gelebt hat, regelt Rente, Krankenversicherung, Steuern, und erklärt seinen erwachsenen Kindern was er da eigentlich tut.

Der logistische Aufwand mit 50+ ist um ein Vielfaches höher. Das ist keine Klage. Es ist eine Tatsache auf die man sich einstellen sollte.

Dazu kommt die soziale Komponente. Mit 30 versteht das Umfeld einen Auslandsaufenthalt noch als Abenteuer. Mit 55 kommt eher Skepsis. „Ist das wirklich durchdacht?“ „Was ist mit der Rente?“ „Und wenn du krank wirst?“ Nicht böse gemeint, aber ständig präsent. Das kostet Energie die man woanders besser einsetzen könnte.

Was mit 50+ leichter ist — und das ist mehr als man denkt

Mann über 50 arbeitet ruhig in einem Café am Fluss in Südostasien mit Laptop und NotizbuchHier wird es interessant. Denn dieser Teil fehlt in den meisten Artikeln.

Wer 50 Jahre gelebt hat, kennt sich selbst. Das klingt banal. Ist es nicht.

Mit 30 geht man ins Ausland und findet sich selbst — so lautet zumindest das Versprechen. Mit 50+ weiß man schon wer man ist. Man weiß was man braucht und was nicht. Man weiß wie man mit Stress umgeht. Man weiß welche Situationen einen aus der Bahn werfen und welche nicht. Man hat Krisen überlebt. Man hat Verluste verkraftet. Man hat gelernt, dass das meiste sich regelt — auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt.

Das ist ein riesiger Vorteil. Wirklich.

Dazu kommt die Finanzlage. Nicht bei jedem, aber bei vielen. Wer 30 Jahre gearbeitet hat, hat Rücklagen. Wer seinen Haushalt auflöst, kommt — wenn man ehrlich ist — auf Beträge die man mit 30 nicht gehabt hätte. Ich verkaufe gerade meinen kompletten Hausstand und meine Spielesammlung über eBay und habe damit schon mehr zusammen als ein 30-Jähriger in seiner Anfangsphase typischerweise auf dem Konto hat.

Wer auswandern nach Kambodscha plant, braucht Puffer. Den hat man mit 50+ in der Regel eher als mit 30.

Und dann noch das: Man hat keine Zeit mehr zu verschwenden. Das klingt bedrohlich. Ich meine es andersherum. Mit 30 schiebt man Entscheidungen vor sich her weil man denkt, man hat ja noch Zeit. Mit 55 ist das vorbei. Entweder man macht es jetzt oder man macht es nicht. Das schärft den Fokus enorm.

Die Fragen die mit 50+ wirklich zählen

Mann über 50 läuft mit Koffer durch tropische Straße in Südostasien bei SonnenuntergangMit 30 fragt man: Wie mache ich das abenteuerlich? Mit 50+ fragt man: Wie mache ich das klug?

Das sind andere Fragen. Und sie führen zu anderen Vorbereitungen.

Krankenversicherung. Mit 30 schließt man irgendeine günstige Auslandskrankenversicherung ab und gut. Mit 50+ wird das komplizierter und teurer. Was passiert wenn man wirklich krank wird — nicht Erkältung, sondern ernsthaft krank? Wo wird man behandelt? Was kostet das? Wer übernimmt die Kosten?

Rente. Was passiert mit den Rentenansprüchen? Zahlt man weiter ein oder nicht? Was bekommt man am Ende noch? Wann bekommt man es? Diese Fragen sind bei 30-Jährigen irrelevant. Bei 55-Jährigen sind sie zentral.

Rückkehroption. Wer mit 30 auswandert und nach zwei Jahren zurückkommt, fängt neu an. Wer mit 55 auswandert und nach zwei Jahren zurückkommt, steht ohne Wohnung, ohne Job und mit deutlich weniger Optionen da. Das bedeutet nicht dass man nicht auswandern soll. Es bedeutet dass man die Entscheidung bewusster trifft.

Auswandern mit 50+ – Was sich grundlegend unterscheidet

und trotzdem kein Grund ist es nicht zu tun.
Ich will das hier nicht als Warnung verstanden wissen. Es ist ein Lagebericht.

Auswandern mit 50+ erfordert mehr Vorbereitung. Mehr Planung. Mehr Auseinandersetzung mit Themen die mit 30 noch weit weg sind. Wer das unterschätzt, bekommt es irgendwann auf die eine oder andere Art zu spüren.

Aber — und das ist entscheidend — wer es richtig angeht, startet mit besseren Voraussetzungen als die meisten 30-Jährigen. Mehr Erfahrung, mehr Klarheit, mehr finanzielle Basis, mehr Selbstkenntnis. Weniger Romantisierung, dafür mehr Realismus. Weniger Abenteuer-Mindset, dafür mehr echtes Ankommen-Wollen.

Ich wandere nicht aus weil ich auf der Suche nach mir selbst bin. Ich weiß schon wer ich bin. Ich wandere aus weil ich genau weiß was ich will — und weil ich nach 39 Jahren Schichtdienst bei der Bundespolizei das Recht habe, das auch umzusetzen.

Wer das gerne etwas direkter lesen will — der Klartext-Artikel über Angst und Alter sagt das noch deutlicher.

Auswandern mit 50+ ist kein Fehler. Es ist einfach eine andere Art es zu tun. Wer das versteht, ist dem Rest schon einen Schritt voraus.

Infografik Vergleich zwischen Auswandern mit 30 und Auswandern mit 50+

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