Die Phase, in der ich mich selbst verloren habe

Es gibt Phasen im Leben, über die spricht man nicht gerne. Nicht, weil sie spektakulär sind, sondern weil sie leise passieren. Stück für Stück. Ohne dass Du es wirklich bemerkst. Genau so war es bei mir. Ich habe mich selbst verloren. Es gab keinen großen Knall, keinen klaren Wendepunkt. Ich habe mich nicht an einem Tag verloren. Es ist langsam passiert. Und genau das macht diese Phase so gefährlich.

Es fing nicht schlimm an

Nachdenklicher Mann läuft durch belebte Straße und wirkt gedanklich abwesendWenn ich heute zurückblicke, war am Anfang alles noch im Rahmen. Stress im Job, wenig Struktur im Alltag, hier und da Entscheidungen, die ich aufgeschoben habe. Nichts, was außergewöhnlich gewesen wäre. Genau deshalb habe ich es auch nicht ernst genommen. Ich dachte, das gehört dazu. Wird schon wieder. Aber genau hier lag der Fehler. Ich habe die kleinen Dinge ignoriert. Dinge, die sich wiederholt haben. Dinge, die sich eingeschlichen haben. Und genau daraus ist mit der Zeit ein Muster entstanden.

Ich habe mich selbst aus dem Blick verloren

Es gab einen Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass etwas nicht mehr stimmt. Nicht dramatisch. Eher unterschwellig. Ich war unruhig, unzufrieden, ständig abgelenkt. Aber anstatt hinzuschauen, habe ich weitergemacht. Funktioniert. Irgendwie. Ich habe Entscheidungen vor mir hergeschoben, Dinge nicht geregelt und mir selbst eingeredet, dass ich das schon im Griff habe. Nach außen hat das vielleicht sogar funktioniert. Aber innerlich war ich längst nicht mehr da, wo ich sein wollte. Genau das ist die Phase, in der ich mich selbst verloren habe. Nicht, weil ich alles falsch gemacht habe. Sondern weil ich aufgehört habe, bewusst zu leben.

Der Moment, in dem es gekippt ist

Leerer Wohnraum mit zwei getrennten Sesseln und stiller AtmosphäreRichtig spürbar wurde es erst, als meine 28-jährige Ehe zerbröckelte und ich mich von meiner Frau getrennt habe. Ab diesem Punkt wurde es unruhig. Dinge, die vorher noch halbwegs stabil waren, sind auseinandergefallen. Plötzlich war da nicht nur Leere, sondern auch eine Art Orientierungslosigkeit, die ich so nicht kannte. Und genau da ging es eigentlich erst los. Ich habe versucht, diese Lücke irgendwie zu füllen. Neue Kontakte, neue Situationen, neue Impulse. Aber anstatt mich wieder zu finden, habe ich mich noch weiter von mir entfernt. Entscheidungen wurden impulsiver, Gedanken unruhiger und das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, wurde stärker. Rückblickend war genau das der Punkt, an dem aus einer schleichenden Entwicklung eine echte Phase wurde, in der ich mich selbst verloren habe.

Der Alltag hat mich übernommen

Was viele unterschätzen: Es sind nicht die großen Fehler, die Dich aus der Bahn werfen. Es ist der Alltag. Wiederholung. Gewohnheit. Bequemlichkeit. Ich bin morgens aufgestanden, habe meinen Tag gemacht und abends war er vorbei. Ohne klare Richtung. Ohne echte Entscheidungen. Ich war beschäftigt, aber nicht produktiv. Ich war aktiv, aber nicht bewusst. Diese Art zu leben fühlt sich am Anfang nicht falsch an. Im Gegenteil. Sie ist bequem. Aber genau das führt dazu, dass Du Dich langsam von Dir selbst entfernst.

Ich habe mir Dinge schön geredet

Ein weiterer Punkt, der mir heute klar ist: Ich habe mir vieles schön geredet. „Ist gerade eine Phase“, „muss jetzt so sein“, „ändere ich später“. Klassiker. Das Problem ist nicht, dass man solche Gedanken hat. Das Problem ist, wenn man sie zu lange glaubt. Denn sie sorgen dafür, dass Du nichts veränderst. Du bleibst stehen, obwohl Du merkst, dass es nicht passt. Genau diese Denkweise habe ich auch im Artikel Du redest viel – aber handelst nicht beschrieben. Du weißt eigentlich, was zu tun ist. Aber Du tust es nicht.

Es wurde irgendwann zu viel

Nachdenklicher Mann sitzt nachts allein und wirkt erschöpft und überfordertIrgendwann kommt der Punkt, an dem sich alles aufstaut. Die Dinge, die Du nicht geregelt hast. Die Entscheidungen, die Du nicht getroffen hast. Die Themen, die Du verdrängt hast. Bei mir war es genau so. Es wurde nicht besser. Es wurde mehr. Und plötzlich bist Du an einem Punkt, an dem Du merkst: So kann es nicht weitergehen. Das ist kein schöner Moment. Aber es ist ein ehrlicher. Und genau dieser Moment war wichtig.

Der Wendepunkt beginnt im Kopf

Was viele falsch verstehen: Der Wendepunkt passiert nicht im Außen. Er passiert im Kopf. In dem Moment, in dem Du aufhörst, Dir Dinge schön zu reden. Bei mir war das der Punkt, an dem ich angefangen habe, ehrlich zu mir zu sein. Ohne Ausreden. Ohne „passt schon“. Einfach nur die Erkenntnis: So wie es gerade läuft, funktioniert es nicht. Und genau hier beginnt Veränderung.

Nachdenklicher Mann blickt sich ernst im Spiegel an

Ich musste Verantwortung übernehmen

Das war wahrscheinlich der unangenehmste Teil. Zu erkennen, dass ich selbst verantwortlich bin. Nicht der Job, nicht die Umstände, nicht andere Menschen. Ich. Solange Du die Verantwortung abgibst, kannst Du nichts verändern. Erst wenn Du akzeptierst, dass Du selbst die Kontrolle hast, kannst Du anfangen, Dinge zu drehen. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Aber es ist notwendig.

Der Weg zurück ist kein schneller Weg

Viele denken, wenn sie diesen Punkt erreichen, geht es schnell wieder bergauf. Aber so funktioniert es nicht. Der Weg zurück braucht Zeit. Du musst Dinge neu ordnen, Entscheidungen treffen und vor allem wieder Struktur in Dein Leben bringen. Genau das habe ich Schritt für Schritt gemacht. Nicht perfekt. Aber konsequent. Gerade beim Thema Struktur und Klarheit habe ich vieles neu aufgebaut. Wie wichtig das ist, beschreibe ich auch im Artikel Finanzen neu ordnen, denn genau dort wird sichtbar, wie fehlende Ordnung sich auf das ganze Leben auswirkt.

Sich selbst verlieren passiert leise

Die Phase, in der ich mich selbst verloren habe, war keine Katastrophe. Sie war schleichend. Und genau deshalb so gefährlich. Du merkst es oft erst spät. Und wenn Du es merkst, bist Du schon ein Stück weit entfernt von dem, was Du eigentlich sein willst. Aber genau das ist auch die Chance. Wenn Du es erkennst, kannst Du etwas verändern. Nicht von heute auf morgen. Aber Schritt für Schritt. Und genau so beginnt der Weg zurück zu Dir selbst.

Infografik zeigt wie man sich selbst verliert und den Wendepunkt zur Veränderung

Sich selbst verlieren passiert leise. Der Wendepunkt beginnt in dem Moment, in dem Du ehrlich zu Dir wirst.

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